Geschichte
Die Entwicklung des Damaststahles als Hilfsmittel zur
Herstellung elastischer und dennoch zäh/harter Klingen
vor tausenden Jahren, ist in der einschlägigen
Fachliteratur der Damastpioniere der heutigen Zeit, der
verehrten Herren Sachse und Denig ausführlich, präzise
und reich bebildert beschrieben, eine unabdingbare
Literatur für den Liebhaber von Damastwaffen.
Ergänzend
hierzu sei hier nur eine Werbeschrift eines berühmten
Damastschmiedes der Nachkriegszeit, Karl Wester,
angeführt, welche die Herstellung einer solch
aufwendigen Klinge beschreibt:
Jahrhundertelang unergründbar scheinendes Geheimnis
morgenländischer Waffenschmiede- kunst, dessen
Ursprung bis in die biblischen Zeiten zurückreicht,
gelangte, ursprünglich aus Indien stammend, zur Zeit
der Kreuzzüge, also vor etwa 850 Jahren, aus Damaskus
zu uns.
Lange galt er als unübertroffen in
seiner Schneidfähigkeit, Härte und Elastizität, so
dass es nicht verwundert, dass Schwerter aus
Damaszenerstahl in der Sage Erwähnung fanden.
Charakteristisch für das Erscheinungsbild des Damastes
ist seine feine Maserung, die keineswegs nur eine
Oberflächenzeichnung ist, sondern durch und durch in
das Gefüge der geschmiedeten Klinge eingebettet
ist.
Während beim orientalischen Damast die
Bildung eines annähernd regelmäßigen Musters dem
Zufall überlassen blieb, führten im 17. bis 19.
Jahrhundert damals berühmte Schmiedemeister in
Solingen und Suhl, die ihrerseits auf einer über
tausendjährigen deutschen Klingenschmiedetradition
fußten, die Kunst des Damastschmiedens durch eigene
Ideen – deren Geheimnisse sie an ihre Söhne
weitergaben – zu ihrer höchsten Vollendung, als es
ihnen gelang, in der Struktur des Stahls jene rosen-
oder pfauenaugenartigen Muster zu erzeugen, die diesen
ihre faszinierende Schönheit verliehen; Klingen, von
denen jede für sich ein einmaliges Kunstwerk ist.
Das
Verfahren hierzu ist uns überliefert:
Stäbe und
Drähte abwechselnd aus hartem Stahl und weicherem
Eisen wurden in höchster handwerklicher Fertigkeit
durch Schmieden von Hand miteinander verschweißt und
dann unter dem Hammer des Meisters in Windungen und
Schleifen gebogen, gestreckt und gebreitet, und immer
wieder in ihrem Gefüge umgeschmiedet, respektive
gefaltet. Doch erst wenn die so entstandene Klinge
feingeschliffen war, brachte ein abschließendes
"Ausziehen" durch Säuren bestimmter Zusammensetzung
den kunstvollen Rosen-, Flammen-, Band-, oder
türkischen Damast zu Tage. Ein wertvoller
handgefertigter Griff vollendet das Werk.
Heute
aber scheint die mittelalterliche Damastschmiedekunst
verloren zu sein. Zwar ist das Verfahren theoretisch
durchaus bekannt, doch finden sich nur wenige Meister,
deren Kunstfertigkeit aus diesem Wissen noch
Wirklichkeit werden läßt.
Es hat nicht an
Versuchen gefehlt, Imitationen herzustellen, doch
halten diese dem Vergleich mit den echten
Damaszener-Klingen nicht stand. Damit sind die wenigen
noch geschmiedeten echten Klingen kostbare
Einzelstücke. Angesichts ihrer Schönheit ist es
verständlich, dass Klingen aus Damast nicht selten
würdige Präsente für Fürsten und Herrscher vieler
Länder waren.
Quelle: Manfred Sachse, Damaszener Stahl